Konzertinstrumente

Unsere Instrumente – “Klangelemente”

Unserer Meinung nach müssen mindestens sechs wichtige Kriterien erfüllt sein, damit die Klassifizierung „Konzertinstrument“ zutrifft — für ein Instrument, das von Kammermusik bis zum virtuosen Solokonzert eingesetzt werden kann.



Tragfähigkeit:
Das erste Kriterium für ein Konzertinstrument ist, dass es in der Lage ist, seinen Ton bis in die entferntesten Ecken des Konzertsaales zu tragen und sich gegen ein Orchester mit voller Besetzung durchzusetzen.
Tonqualität:
Tonqualität und –farbe sind von allergrößter Wichtigkeit, wenn es darum geht, Musiker und Zuhörer emotional anzusprechen. Der Musiker ist umso besser in der Lage, Gefühle zu zeigen und mit seinem Instrument und damit auch mit seinem Publikum zu kommunizieren, je besser die Tonqualität eines Instruments ist.
Dynamik:
Um einem Künstler darin zu unterstützen, den gefühlsmäßigen Inhalt seiner Musik auszudrücken, muss ein Konzertinstrument eine möglichst große Bandbreite an Klangkräften von ppp bis fff haben. Hier ist besonders Wichtig, dass jede Lautstärke ihren eigenen Charakter besitzt und der Pianoklang nicht eine leisere Wiederholung des Fortissimos am Steg ist.
Artikulation:
Virtuose und schnelle Passagen in einem Solokonzert sind besonders faszinierend, wenn der Musiker und auch der Zuhörer in der Lage ist, die verschiedenen Töne als einzelne herauszuhören.
Klare Artikulation ist die Grundlage, um delikate und komplexe Strukturen in der Musik darzustellen.
Vibratoeffekt:
Die Ausdruckskraft eines Künstlers hängt sehr stark von seinem Vibrato ab. Ein Instrument muss leicht und intensiv auf Vibrato reagieren, um eine größere Bandbreite an Tonfarben und Klangvolumen hervorzubringen.

Klangoptimierung:
Die Leichtigkeit, mit der ein Musiker seinen Ton hervorbringt, und der Ton, den er „unter dem Ohr“ erfährt in Verbindung mit dem Gefühl, wie sein Instrument am Körper vibriert, ist wichtig für ein Einswerden mit seinem Instrument. Einstellungsdetails, wie u. a. Steg und Stimme, sind einflussreiche Werkzeuge dabei, das Optimum an Klang für jeden Musiker aus seinem Instrument herauszubekommen und mit seiner Persönlichkeit zu verbinden.
Alle oben genannten Kriterien sind miteinander verbunden und nur in Zusammenhang zu bringen, wenn man versteht, wie ein Streichinstrument funktioniert und was passiert, wenn ein Musiker sein Instrument spielt.

Wie funktioniert ein Streichinstrument? - " Warum sind alle verschieden?"

Wenn ein Ton auf einem Streichinstrument gespielt wird, dann regt die Bogenbewegung die Saite zu einer harmonischen Schwingung an. Der Grundton erklingt mit seinen sich im gleichen Frequenzabstand wie der Grundton aufeinander aufbauenden Obertönen. Die Stärke dieser Saitenobertöne ist nicht festgelegt, sondern hängt von folgenden Faktoren ab: Design der Saite an sich, Bogendruck, Bogengeschwindigkeit, Bogenposition und Fingerkontakt auf der Saite. Ein guter Musiker besitzt die Fähigkeit, die relative Stärke dieser Saitenobertöne zu beeinflussen. Der Klang, den die Saite produziert ist kaum hörbar. Der Klangkörper des Streichinstrumentes sorgt für die Verstärkung der Saitenvibration, die er über den Steg erhält, durch seine natürlichen Resonanzen. Resonanzen sind starke Vibrationen, die in jedem Objekt vorkommen, das mit Kräften in Berührung kommt. Wird zum Beispiel eine 440 Hz "A" Stimmgabel angeschlagen, dann bewegen sich die beiden Arme 440mal pro Sekunde hin und her. Eine Stimmgabel hat nur wenige Resonanzen, während Streichinstrumente mehr als hundert besitzen. Wird eine Saite angestrichen und einer ihrer Obertöne trifft auf eine Resonanz des Klangkörpers, dann wird diese Frequenz verstärkt. Hier liegt der große Unterschied z.B. zwischen einem Hifi-Verstärker und einem Streichinstrument. Während der Verstärker jede Frequenz gleichermaßen verstärkt, verstärkt das Streichinstrument selektiv nur dort, wo seine Resonanzen liegen. Der Musiker besitzt keine Kontrolle über die Resonanzen des Klangkörpers, die im Resonanzprofil eines jeden Instruments festgelegt sind. Er kann nur über die schwingende Saite Einfluss nehmen.
Jedes Streichinstrument besitzt seine ganz eigene Kombination von Resonanzen — das ist der Grund dafür, dass jedes auch anders klingt und jeder Ton sich anders in seiner Obertonstruktur aufbaut.



Bildbeschreibung: Hier sieht man, dass die Stärken der Resonanzen sehr variieren. Es gibt z.B. starke Resonanzen bei 270Hz, 450Hz und 550Hz. Dies bedeutet, dass jeder Grund- oder Oberton, der von der Saite bei diesen Frequenzen auf den Korpus übertragen wird, stark verstärkt wird. Auf der anderen Seite gibt es keine Resonanzen bei 500Hz, also werden Saitenschwingungen dieser Frequenz nicht verstärkt.

Vibrato - "Spielen mit Resonanzen"

Vibrato bereichert den Ton eines Musikers ansprechend mit Farben und Volumen. Einige Geigen sind besser geeignet als andere einen schönen Vibratoeffekt zu zeigen. Um zu sehen warum, ist es wichtig zu verstehen was passiert, wenn ein Musiker Vibrato spielt. Wie oben beschrieben, werden nur diejenigen Grund- und Obertöne der Saitenschwingung verstärkt, die mit den Resonanzen des Klangkörpers übereinstimmen. Dies liegt an der einzigartigen und unregelmäßigen Struktur der Resonanzprofile eines jeden Streichinstruments. Jedes Instrument und sogar jeder Ton hat seinen ganz eigenen Charakter, weil Grund- und Obertöne jedes Einzeltones an anderen Stellen des starren Resonanzprofils eines Klangkörpers liegen. Spielt ein Musiker Vibrato, dann verändert er die Frequenz des Grundtones mitsamt seiner Obertonstruktur ober- und unterhalb des gespielten Tones, dabei verschieben sich die höheren Obertöne mehr als die niedrigen. Diese sich auf der Frequenzachse schnell nach oben und unten verschiebenden Frequenzen treffen dann manchmal mit Körperresonanzen zusammen und manchmal nicht. Dies hat zur Folge, dass Vibrato nicht nur die Frequenz moduliert, sondern auch die Amplitude. Instrumente mit einer sehr unregelmäßigen Resonanzstruktur haben deshalb größere Veränderungen in ihrer Amplitude und zeigen einen volleren und reicheren Ton.

     © Andrew Finnigan Pia Klaembt




Das Holz – “Eine Schatzsuche”

- Fichte aus der südlichen Alpenregion für die Decke
- Ahorn aus Bosnien für Boden, Schnecke und Zargen

Jedes Jahr im Frühjahr suchen wir die südliche Alpenregion nach Schätzen ab, dem besten Tonholz der letzten Saison, das gerade dann aufgesägt und gespalten wird und dann bei uns jahrelang lagert. Eine Schatzsuche ist die Reise, weil aus ungefähr 100 Bäumen nur einer als Tonholz bezeichnet werden kann und in ihm wieder nur einige Stücke wirklich gut sind.
Nur abgelagertes Holz mit bestimmten physikalischen Eigenschaften findet seinen Weg in unsere Werkstatt. Jedes Stück ist dabei anders und einzigartig. Die Kombination Fichte/Ahorn mit ihren immer variierenden Eigenschaften ist es, was jedes Instrument, abgesehen von der Verarbeitung, zu einem Unikat macht. Holz stellt, bei jedem Instrument von neuem, eine Herausforderung für uns als Geigenbauer dar.
Die Holzauswahl ist von allergrößter Wichtigkeit: Der erste Schritt zu einem großartigem Konzertinstrument.



zurück nach oben
Unser Lack – „Strahlende Wärme“

- Ein Lack, der die Sonne einfängt
- Eine Grundierung, die bewahrt

Sowie wir uns jedes Jahr auf die „Schatzsuche“ nach unserem Tonholz machen, so kochen wir jedes Jahr unseren Lack aus verschiedenen Ingredienzien wie z.B. Bernstein und Leinöl.
Wir stellen unsere Pigmente selbst aus Krappwurzel her. Es ist faszinierend, wie jedes Mal verschiedene Nuancen von goldenem Rot, Kupfer, Honig und Kastanie später in der Farbgebung entstehen. Dabei ist es eine Freude zu sehen, wie der Lack beim Auftragen auf dem Holz ausfließt, es funkelnd aufleben und dabei frei schwingen lässt.
Unsere Grundierung ist eine Kombination aus Schutz für das Holz und aus Bewahrung des Klanges, da seine Eigenschaften an der Oberfläche des Holzes zum Einsatz kommen und beim Konservieren des Holzes den Klang des Instruments nicht einschnüren. Wir testen regelmäßig die physikalischen Eigenschaften und Qualität unseres Lackes nach einer eigens entwickelten Methode in unserer Werkstatt.

english | Kontakt | Impressum